„Meine Frau ist gerade nicht zu sprechen – sie ist auf ihrer jährlichen Weltreise“ – mit dieser Auskunft wurde in den vergangenen 40 Jahren so manche Anruferin vertröstet, selbst wenn ich
im Nebenzimmer am Schreibtisch saß. Dann war ich in Gedanken weit weg, beschäftigt mit dem aktuellen WGT-Land oder der Interpretation des jeweiligen Bibeltextes. Denn am 1. Freitag im
März sollte ein farbiger, mitreißender Gottesdienst gefeiert werden.
WGT – das ist eine ökumenische Basisbewegung, von Frauen ins Leben gerufen und getragen, die seit mehr als 130 Jahren lebendig ist. In Deutschland feiern wir dieses Jahr 70 Jahre WGT – wieder erstanden nach dem verheerenden Krieg und als Friedensbewegung wichtiger geworden denn je.
Das ehrenamtliche weltweite Komitee besteht aus je zwei Frauen aus sieben Weltregionen. Unterstützt wird es von einem Büro in New York; Geschäftsführerin ist die Brasilianerin Rosângela Oliveira. Jedes Land hat ein eigenes WGT-Komitee (in Deutschland ist es in Stein ansässig).
Unter dem Motto „Informiert beten – betend handeln“ beschäftigen sich Frauen aus über 170 Ländern und vielen Konfessionen jedes Jahr mit einem ausgesuchten Land. Sie erarbeiten Informationen über die Lage der Frauen/Familien in dem betreffenden Land, dazu den jeweils dazu ausgewählten Bibeltext, Lieder und Gebete und einen eigenen Kindergottesdienst.
Alle vier Jahre werden auf einer internationalen Konferenz Länder und Themen ausgewählt für den Gottesdienst, der am 1. Freitag im März rund um den Globus gefeiert wird. Mit der Kollekte werden weltweit Projekte gefördert, die vor allem der Bildung von und Unterstützung für Frauen und Mädchen zu gute kommen. Der WGT verbindet den christlichen Glauben mit konkretem Handeln zugunsten einer Welt, in der Gleichberechtigung und Menschenwürde selbstverständlich sind/sein sollten.
2019 war das „Gastland“ Slowenien mit dem Motto: „Kommt, es ist alles bereit“; 2020 lädt Simbabwe zum Gottesdienst ein mit der Aufforderung “Steh auf und geh!“.
Der WGT ist ein Fenster zur Welt und schärft den Blick auch für aktuelle politische Nachrichten. Deshalb ist es wichtig, dass diese Bewegung weiterlebt und auch junge Frauen begeistert. Wer Lust hat, sich zu engagieren, ist herzlich eingeladen. Ein aufgeschlossenes ökumenisches Team heißt jede neue Mitarbeiterin herzlich willkommen. Es werden alle Begabungen gebraucht! Ich verspreche Ihnen: es macht Freude!

Brigitte Koring